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Tages Anzeiger, Montag 19. Februar 2001, Stadt Zürich
Schnäppchen am Samstag
Wer Wert legt auf Dasein im Design, ist hier an der richtigen Adresse:
Designermöbelbörse.
Von Bruno Rauch
Lagerhallen, Administrationszentren, Produktionsstatten das Industrieareal Binz ist ziemlich verwaist an diesem Samstagvormittag. Ab und zu kurvt ein Auto vorbei, seine Insassen scheinen etwas zu suchen. Ein schwarz gekleidetes junges Paar entsteigt einem Wagen. Erbleicht, als ihm ein Mann graues, kurzgeschnittenes Haar, schwarz gekleidet entgegenkommt. «Zu spät», raunzt der junge Mann seine Partnerin an. Was der Alte mit triumphierendem Flackern im Auge mitschleppt, lässt die beiden Jungen den Schritt beschleunigen: Wassily...
Da, Räffelstrasse 29. Hier muss es sein, hier ist es, im Untergeschoss eines gesichtslosen Bürohauses: Schatzkammer, Eldorado, Fundgrube für Designfreaks. Und dazu zählt sich das junge Pärchen, sie Zahnärztin, er Jurist. Dem Idiom nach von gebirgiger Scholle in die urbanen Niederungen verschlagen, richten sie ein erstes gemeinsames Zuhause ein. Da kommt ihnen die Designermöbelbörse gerade zupass. Lanciert haben die pfiffige Idee zwei junge (schwarz gekleidete) Zürcher: Markus Cella und Adrian Burkhard, beide um die dreissig. Der eine war als Buchhalter tatig, der andere in der Filmbranche; beide hatten schon immer Freude an gutem Design und durchkämmten regelmässig einschlägige Flohmarkte und Messen, vor allem in Frankreich. Mal hier eine Vermittlung unter Freunden, mal da ein Tipp aus den zufälligen Zwischenhändlern wurden professionelle Jungunternehmer.
Bald die zweite Etage
Am 1. März 1999 eröffneten sie ihre Firma unter dem Namen «designrecycling» an besagter Adresse, und in wenigen Wochen soll zur jetzigen Halle eine zweite Etage hinzukommen. Denn der Erfolg gibt den beiden Recht: Gut sechzig Interessierte finden jeweils samstags den Weg hierher: Junge, Alte, Studenten und Architekten, Ersteinrichter und Wiederholungstäter aus der ganzen Schweiz. Sie alle verbindet die Liebe zum Möbelklassiker, ohne dafür gleich das ganze Budget opfern zu müssen.
Das Angebot reicht vom 100-fränkigen Zeitschriftenhalter his zum Ledersofa von Flexform für 6500 Franken. Eine Serie von sechs Freischwingern, die Breuer/Stam in den 40er-Jahren für Thonet entwarfen, wird kaum lange auf Käufer warten müssen. Auch die «Ameise» des Dänen Arne Jacobsen, ein filigraner stapelbarer Stuhl mit stark taillierter Sitzschale aus dünnem Schichtholz. gehört längst zu Klassikern. Drüben gruppieren sich fünf Tulpenstühle um einen Einbein-Tisch: Organisches von Eero Saarinen. Karierten Kontrast dazu markiert Zanottas Quaderna Tisch. Ein Paradestück unter Hochkarätigem ist Charles Eames Lounge Chair, noch mit traditioneller Palisander-Schale. Mit berechtigtem Stolz weist Cella auf ein Set von vier eleganten «Brno» von Mies van der Rohe hin; eine Etikette unter der Sitzfläche belegt deren illustre Herkunft: Knoll, Park Avenue, N. Y., 1977. Und auf einem Gestell aus dem Haus Cassina träumt etwas verschämt Lampe «Fidia», geb. Botta, von einem Liebhaber.
Die Möbel stammen von Privaten oder aus Lager- und Ausstellungsbeständen von Fachgeschäften. Die Preise richten sich nach dem Zustand der Ware und derem aktuellen Katalogpreis, wobei man durchaus mit sich reden lässt. Das meiste wird in Kommission übernommen und nach Verkauf gemäss transparentem Schlüssel abgerechnet. Die beiden Firmenchefs haben sich ein enormes Fachwissen angeeignet und achten auf Top-Qualitat. «Zum zeitlosen Design», sagt Cella, «gehört auch die qualitätsvolle Verarbeitung, Möbel also, die man nicht einfach auf den Müll wirft.»
Räffelstr. 29, samstags, 10.00 bis 16.00 Uhr. Bus 76 (Binz), S10 (Binz), www.designermoebelboerse.ch
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NZZ, Montag 15. Januar 2001, Nr. 11
Wohndesign aus zweiterHand
sam. Ein weisses Keramikhündchen hält den Besuchern der Designermöbelbörse die Tür zur Lagerhalle auf. Nach der Anreise zum Industriegelände Binz folgt man der Einladung gerne und betritt den geräumigen Kellerraum, in dem Lampen, Regale, Tische und alle Arten von Stühlen und Sofas aneinander gereiht auf urbane Jäger und Sammler warten. Auf jene, die sich nicht auf irgendeinem Stuhl niederlassen, weil sie erkannt haben: Markennamen erhöhen den Sitzkomfort. Wer nicht primär das Sitzleder, sondern das Portemonnaie schonen möchte, ist bei Adrian Burkhard und Markus Cella an der richtigen Adresse.
Unter dem Firmennamen «designrecycling» handeln die beiden Jungunternehmer mit gebrauchten Designermöbeln und Objekten. Vom 75-jährigen Wassily-Sessel bis zum Sofa aus der letztjährigen Cassina-Kollektion ist alles da; die Preispalette reicht von 100 Franken für den schlichten Stuhl bis zu 6000 Franken für das Edel-Sofa. Feilschen kann sich lohnen:«Über den Preis zu verhandeln, macht uns Spass», verrät Adrian Burkhard. Auch Skurriles entdeckt das staunende Auge etwa den Holzstuhl mit beleuchteter Sitzfläche für 320 Franken oder die Stehlampe mit zwei senkrecht aufragenden Antennen.
Bunt zusammengewürfelt wie die Möbel selbst ist auch ihre Herkunft. Sie stammen von Privatpersonen, aus Lagerbeständen von Firmen oder aus ausgemusterten Kantinen- und Büroeinrichtungen. Vor wenigen Jahren noch als Zwischenhändler für gebrauchte Möbel in Frankreich und der Schweiz tätig, führen Burkhard und Cella heute ein expandierendes Geschäft. Im April sollen die Lagerräume vergrössert werden. Jeden Samstag kommen sechzig bis achtzig Interessenten aus der ganzen Schweiz vorbei. Das Angebot lässt sich abrufen unter: www.designermoebelboerse.ch, wobei Burkhard eine Besichtigung empfiehlt: «Ich als Händler kaufe nicht übers Internet. Um zu wissen, ob mir ein Möbelstück gefällt, muss ich es sehen und anfassen können.»
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Züri Woche, letzte Ausgabe

Der Glanz von gebrauchtem Design
Nach der Möbelmesse in Malland, jetzt die Schweizer Möbelmesse Internatlonal in Zürich. Was dort an Design gezeigt wird, steht vielleicht schon bald in der Zürcher «designermöbelbörse».
Von Silvia Thommen
Ein Stuhl von Willy Guhl, ein Tisch von Le Corbusier, eine Liege von Marcel Breuer wer würde nicht gern solch ein Stück sein eigen nennen! In der aktuellen Ausstellung «Schöne Möblierung» im Museum Bellerive sind sie einem zum Greifen nahe. Unter den Raritäten findet man etwa einen Servierwagen von Joe Colombo oder einen Tisch von Max Bill, aber auch Objekte von Trix und Robert Haussmann sowie von Susi und Ueli Berger. Rasch hat man in Gedanken ein Möbelstück bei sich zuhause platziert. Doch woher das nötige Kleingeld nehmen, wenn nicht stehlen?, werden sich wohl viele fragen.
An Möbel-Börsen ist gutes Design auch für Leute mit kleinem Portemonnaie erschwinglich. Was bei Designerkleidern längst bekannt ist, Secondhand- und Secondseason-Läden, kommt auch bei Designermöbeln immer mehr auf. Diesen Frühling ist mit der «designermöbelbörse» bereits der zweite Laden in Zürich eröffnet worden, der gebrauchte und ausgemusterte Möbel günstig anbietet.
An der Eröffnung der «designermöbelbörse» am 27. März fand dieses Publikum auch den Weg ins Industriequartier Binz. Künstler und Galeristen, Schüler, Pärchen und Eltern mit Kindern pilgerten zur Ausstellung. Adrian Burkhard und Markus Cello, die Besitzer der neuen Börse, hatten schon bald alle Hände voll zu tun und fanden kaum mehr die Zeit, die Kundschaft zu zählen und Strichlein zu machen. Wir handeln eben gerne, meinten die beiden fast schon entschuldigend, aber doch sichtlich erfreut zum guten Geschäftsgang am ersten Tag. Sie hatten aber auch schöne Objekte herbeigeschafft: einen riesigen ovalen Tisch von Arne, Jacobson, ein weisses Dreier-Sofa der Zürcher Designer Haussmann, diverse sogenannte Spaghetti-Stühle ab 100 Franken. Unverkäuflich ist nur das Pluto- Tischchen, das den frischgebackenen Firmeninhabern als Maskottchen dient. Vielleicht bringt es auch den jungen Designern Glück, die künftig ihre Prototypen bei Burkhard und Cella ausstellen können.
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